Diesellok "Lupo" von Liliput - moderne Lok mit moderner Technik

 

 

Erster Eindruck

 

2004 hatte die Zillertalbahn, die Jenbach mit dem namensgebenden Zillertal verbindet, vier neue Dieselloks vom Typ Lupo bei der Gmeinder Lokfabrik aus Mosbach bestellt. Zusammen mit den seit 2007 in Betrieb stehenden modernen Niederflurwagen konnte der Komfort des Personenverkehrs erheblich verbessert werden. Doch die neue 746 kW starke Diesellok wird nicht nur im Personenverkehr, sondern auch für den immer noch statt findenden Güterverkehr, wie zum Holzwerk in Fügen zusammen mit Rollbockwagen, genutzt.

 

Liliput hat sich diesem Vorbild angenommen und ein hervorragendes Modell im Juni 2011 auf den Markt gebracht. Zusammen mit den ebenfalls erhältlichen Nahverkehrswagen kann so der Pendelzug exakt nachgebildet werden.

 

Da ich bereits 3 x im Zillertal im Urlaub war, viel Zillertalbahn gefahren bin und somit auch viele Vergleichsfotos habe, kann ich mir das Modell natürlich sehr kritisch ansehen und werde nicht großzügig sein. Aber eins vorweg: Es gibt so gut wie nichts auszusetzen! 

 

Die Lokomotive kommt in einer Blisterverpackung in Kartoneinlage und wird durch Schaumstofffolie geschützt.

 

 

Das Modell macht einen hervorragenden ersten Eindruck und ist an den Enden filigran nachgearbeitet. Gerade die Front und vor allem Lampennachbildungen waren sicherlich eine Herausforderung für den Hersteller. Wie beim Vorbild sind die Steckdosen neben den Lampen in den korrekten Farben und Formen nachgebildet. Der Vollständigkeit halber muss ich aber erwähnen, dass die blaue Steckdose beim Vorbild bei Führerstand 1 auf der rechten und nicht auf der linken Seite ist, somit spiegelverkehrt zur anderen Seite, wo die Steckdose rechts angebracht ist.

 

Die Lampen sehen sehr gut aus, die Formen und Farben stimmen exakt mit dem Vorbild überein.

 

Unterhalb der Lampen finden sich 3 waagrechte Bleche, dort können beim Vorbild normale Puffer anmontiert werden, auch dieses Detail findet sich korrekt wieder.

 

Im Kupplungsbereich finden sich auf der rechten Seite die Anschlüsse für die HLL und HLB (Hauptluftleitung und Hauptbremsleitung) und sogar die über den Anschlüssen winzige gelbe und rote Schrift ist aufgedruckt. Die gelb-schwarzen schraffierten Warnbeklebungen sind natürlich auch korrekt abgedruckt.

 

Die Scheibenwischer sind aufgedruckt bzw. eingraviert und verlaufen etwas zu senkrecht. Eigentlich verläuft die abgewinkelte Halterung in einem etwas steileren Winkel vom Wischer zum Gehäuse.

 

 

Auch auf dem Dach sieht es ordentlich aus, die Anordnungen scheinen zumindest von Seitenaufnahmen her zu stimmen. Auf dem Dach der Lok war ich jedoch noch nie ;-)

 

 

Details

 

Die Drehgestelle sind vorbildgetreu dargestellt und weisen alle Details des Vorbilds auf. Da auf der Zillertalbahn keine Indusi vorhanden ist, ist es völlig korrekt, dass auch das Modell keinen Indusi Magnet besitzt. Vorbildgetreu befinden sich an den Enden der Drehgestelle die Sandkästen.

 

 

Auch am Tank wird man Fehler lange Suchen. Alle Beschriftungen finden sich auch so am Original der D15 wieder.

 

 

Sehr wichtig! Das blaue Typenschild der Gmeinder Lokfabrik mit silbernen Aufdrucken. Wie man sieht, ist sogar die Tür vorbildgetreu wiedergegeben, denn es gibt Unterschiede zwischen den einzelnen Loktypen. Während die D13 und D14 ein mit dem Frontfenster bündiges Türfenster besitzen und der obere Türgriff etwas weiter unten angebracht ist, so haben die D15 und D16 weiter nach unten gezogene Türfenster mit einem bündig dem Frontfenster angebrachten oberen Türgriff. Da die D15 nachgebildet wurde, ist diese Ausführung also korrekt und als sehr löblich hervorzuheben.

 

 

Technik

 

Technisch ist das Fahrzeug ein echter Leckerbissen. Dies sieht man jedoch erst, wenn man das Gehäuse abnimmt. Daher will ich vorher aber erst noch einige andere technische Erläuterungen loswerden, bevor ich dem Fahrgestell das Hütchen abnehme.

 

Angetrieben wird das Modell von einem mit 2 Schwungmassen ausgestatteten Gleichstrommotor, der sich in der Mitte des Fahrgestells befindet. Er treibt von beiden Seiten ausgehend über eine Kardanwelle und eine Schnecke das Getriebe im Drehgestell an, welches letztendlich die Kraft auf alle 4 Achsen überträgt. Die Lok setzt sich sehr leise in Bewegung und lässt sich fein regeln. Die vorbildgetreue Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h wurde ziemlich exakt getroffen, was als wirklich überaus lobend hervorgehoben werden kann.

 

Unterhalb von Führerstand 1 befinden sich diagonal versetzt 2 Haftreifen zur Zugkraftverstärkung. Die Stromabnahme finden von allen 8 Rädern statt.

 

 

Der Lichtwechsel wird mit 6 weißen und 4 roten LEDs realisiert, woraus folgt, dass jede Lampe eine LED besitzt. Leider hatte man es nicht gescheut kaltweiße LEDs zu verbauen, weshalb das Licht mit einem Blaustich austritt. Für einen Elektrobastler sollte es aber kein Problem darstellen warmweiße LEDs zu verbauen, da die Dioden sehr gut erreichbar auf der Platine aufgelötet sind.

 

Insgesamt ergibt sich ein sehr schöner auf der einen Seite dezenter, auf der anderen Seite aber leuchtstarker Lichtwechsel.

 

 

 

Nun wollen wir der Lok doch mal unter die Haube schauen. Hier zeigt sich zum einen eine große Hauptplatine sowie zwei Nebenbahnplatinen für den Lichtwechsel. Auf der Hauptplatine befindet sich eine mtc Schnittstelle zum direkten einstecken eines Digitaldecoders. Links daneben befindet sich der Motor, dessen Anschlusslitzen mit Steckern ausgeführt sind, was Wartungsarbeiten deutlich erleichtert. Schließlich folgt eine Lautsprecheraufnahme, damit sich das Modell auch lautstark bemerkbar machen könnte. Zu guter letzt befindet sich ganz links ein DIP-Schalter zum Einstellen des Licht-Betriebsmodus.

 

 

Neben der Hauptplatine befindet sich auf jeder Seite eine weitere Platine für die Aufnahme der SMD LEDs. Außen sind zwei weiße LEDs, innen zwei rote. Das Licht wird über ganz kurze Lichtleiter innerhalb des abnehmbaren Vorbaus zu den Lampen geführt. Für das obere Spitzensignal ist auf der Hauptplatine je Seite eine LED aufgelötet.

 

 

In der mtc-Schnittstelle ist werksseitig ein Brückenstecker eingesteckt, um das Modell sofort analog zu betreiben.

 

 

Da hat endlich mal ein Hersteller wirklich weitergedacht! Wie beim Vorbild auch können verschiedene Licht-Betriebsarten eingestellt werden. Eigentlich immer ist es so, dass parallel zum vorderen Spitzenlicht das hintere Schlusslicht und umgekehrt verschaltet ist. Daher strahlt die Lok den angekuppelten Wagen bei Zug das rote Schlusslicht und bei Schub das weiße Spitzenlicht an.

 

Mit den DIP-Schaltern lässt sich der Lichtwechsel sowohl bei Analogbetrieb als auch Digitalbetrieb gezielt für die jeweilige Verwendung einstellen.

Schalter 1 schaltet das weiße Spitzenlicht auf Führerstand 1.

Schalter 2 schaltet das weiße Spitzenlicht auf Führerstand 2.

Schalter 3 schaltet das rote Schlusslicht.

Somit kann entweder beidseitig der Lichtwechsel aktiviert werden oder eben nur auf Seite 1 oder Seite 2 oder die roten Schlusslichter werden komplett abgeschaltet und es leuchten nur die weißen Spitzenlichter mit der Fahrtrichtung wechselnd.

 

 

Damit man das Gehäuse nicht immer abnehmen muss (es wird übrigens durch 4 Schrauben gehalten und muss nicht abgespreizt werden), ist der DIP-Schalter von oben frei zugänglich, in dem das Lüfterteil ausgeklipst wird. Da das Teil jedoch von 2 Rastnasen gehalten wird, geht dies nicht sonderlich leicht. Sollte man wirklich von dem Schalter regen Gebrauch machen, empfiehlt es sich die Rastnasen abzuzwicken.

 

 

Im Digitalbetrieb kann man wie bereits geschrieben ebenfalls die Schalter betätigen, jedoch lässt sich das Licht auch mit Funktionstasten schalten. Mit F1 können die Schlusslichter zusätzlich eingeschaltet werden, doch leider leuchten diese nur, wenn über F0 die Spitzenlichter aktiviert sind. Somit wird bei Schub der angekoppelte Wagen mit weißem Licht bestrahlt. Schade, dass das Schlusslicht nicht unabhängig vom Spitzenlicht geschaltet werden kann.

 

Trotz dieser kleinen Unschönheit kommt in der Lok eine wirklich hervorragende Technik zum Einsatz. In Sachen Technik hat ja Liliput auch schon beim FLIRT in H0 bewiesen, dass ein Hersteller auch weiterdenken kann.

 

Als Zubehör liegen dem Lokmodell diverse Kupplungen bei, die in den NEM 355 Schacht gesteckt werden können. Oben links die Standard Bügelkupplung ohne Kupplungsbügel, oben rechts die Mittelpufferkupplung System Kadee und unten zwei starre Kuppelstangen.

 

 

Der Lok liegt eine ausführliche bebilderte Anleitung bei, die nicht nur Infos zum Modell sondern auch zum Vorbild gibt. Außerdem ist ein Schaltplan sowie eine Einzelteilliste im Lieferumfang enthalten.

 

Fazit

 

Für ein Fazit sollte man auch mal den Preis ins Auge fassen: Ich habe diese Lok für 116 € (!) beim Händler gekauft. Wenn ich nun überlege, wie viele Details das Modell besitzt, verbunden mit einer perfekt ausgearbeiteten Technik, frage ich mich: Was solle man hier aussetzen? Ich habe noch nie ein Fahrzeugmodell zu einem solch beeindruckenden Preis-Leistungs-Verhältnis erworben. Hier muss man ein sehr großes Lob an den Hersteller Liliput aussprechen!

 

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Download der Betriebsanleitung (8,4 MB)

Bilder