Märklins ER 20 - der umweltfreundlichste Diesel nun auch im Modell und das für kleines Geld

 

Erster Eindruck

 

Sieht man den ER 20 (das ER steht für EuroRunner und die 20 für 2000 kW) auf den ersten Blick könnte man meinen, er ist eine ganz "normale" Lok für teures Geld. Auch wenn man die Lok aus der Märklin typischen grauen mit Styropor gepolsterten Verpackung entnimmt, merkt man, dass trotz kleines Preises eine gute Arbeit vollbracht wurde: Die gesamte Lok ist aus Metall, wodurch sie ein gutes Gewicht auf die Schiene bringt um zahlreiche Wagen zu ziehen. Es sind viele Einzelheiten angesetzt wie z.B. Griffstangen. Auch die Lackierung ist sehr gut gelungen. Es wurde sehr aufwendig gedruckt, so dass diese Lok keineswegs in die Spalte "Hobby Lok" passt.

 

 

 

Details

 

Die Lok ist sehr gut gedruckt. Man merkt jedoch, dass sie auf der Basis der Reihe 2016 aufbaut, denn die Griffstangen sind grau statt gelb. Der Bereich um die Kupplung ist leider nicht so gut gelungen, denn der hellere Farbton einer eigentlichen dunkelgrauen Farbe hat einen spielzeughaften Charakter. Und die Kupplung hängt ein bisschen weit runter, sodass sie, beim überfahren von Weichen, vom Mittelleiter hochgedrückt wird. Dadurch koppelt sich der Zug aber nicht ab, da die Kupplung von den angekoppelten Wagen nach oben gedrückt wird.

 

Der Lüfter am Dach und die Lüfter an der Seite wurden sehr toll nachgebildet, denn wenn man mit dem Finger drüberfährt merkt man die Gravur.

 

Die Haltegriffe an den Einstiegen sind abgespritzt, während die Hörner angesetzt sind.

 

Eine Inneneinrichtung ist vorhanden.

 

Nun könnten aber, wenn man ein sehr guter Eisenbahnkenner ist die falschen Drehgestelle stören. Man hätte hier welche von der BR 152 übernehmen können, denn die Trittstufen am Eingang fehlen. Und falls man nachmessen sollte: Die Lok ist zu kurz. Laut Vorbilddaten muss die Lok 22,15 cm lang sein. Diese Märklin Lok ist jedoch nur 21,7 cm "kurz".

 

 

 

 

Technik

 

Was sehr gut gelöst wurde ist der Antrieb. Endlich treibt auch Märklin seine Loks über einen mittig gelagerten Gleichstrommotor an, der seine Kraft auf alle vier Achsen überträgt. Ein Drehgestell hat diagonal 2 Haftreifen, wodurch eine sehr gute Zugkraft erreicht wird. Die Lok gleitet so leise über die Gleise, das selbst die angehängten Wagen lauter sind. Der Motor hat eine sehr kleine Anfahrgeschwindigkeit, wodurch man super rangieren kann, außerdem befindet sich auch eine Schwungmasse an der Welle.

 

Und Märklin hat vorgesorgt: Eine Aussparung für einen Lautsprecher findet sich zwischen den beiden Drehgestellen. Neben der Lautsprecheraussparung befindet sich die Schraube zum öffnen des Gehäuses.

 

 

Im Inneren stößt man auf neue Märklin Welten: Ein Decoder sitzt über dem Motor und das Licht wird per flexibler Leiterplatte zu den Leuchtdioden geleitet. Leider wurden, wie immer, gelbe SMD LEDs eingebaut. Diese leuchten fahrtrichtungsabhängig und sind im Digitalbetrieb ein- und ausschaltbar. Einen sehr exakten Modellbahner würde es hier stören, dass das Gelb auch da rausstrahlt, wo eigentlich schon die roten LEDs sitzen müssten. Für den Bastler wird es garantiert eine Möglichkeit geben, die gelben gegen weiße LEDs zu ersetzen und rote LEDs mit einzubauen, denn die Lichtleiter bieten hierfür eine gute Möglichkeit, dadurch, dass sie getrennt (für weiß und rot) eingesteckt sind.

 

 

Der Decoder ist nicht gerade toll... Er ist im Prinzip nix anderes wie ein 60902, nur das hier keine Potentiometer eingebaut wurden, sondern die Werte per CV geändert wurden. Aber man braucht sich nicht viel Hoffnung machen: Adresse ändern, Anfahr- und Bremsverzögerung (nicht getrennt programmierbar) und Höchstgeschwindigkeit programmieren und das war's. Man spürt auch die Fahrstufen sehr. Es liegt klar auf der Hand, dass dieser Decoder in der Lok nicht lange überleben wird und ein LokSound rein kommt. Aber wenn man auf andere Decoder umstellt, nix mit Schnittstelle. Hier ist der Lötkolben gefragt. Für den, der keine platzverschwenderischen Leiterplatten mag, so wie ich, genau das richtige.

 

Die Kupplungen können dank NEM Schacht getauscht werden und werden per Plastikfeder in die Mittellage positioniert.

 

Fazit

 

Diese Lok ist sehr gelungen, dass die Drehgestelle nicht passen und dass nicht viel Elektrik drin ist, macht natürlich den Preis aus. Trotzdem kann ich jedem dieses Modell empfehlen, denn mit ein bisschen Bastelarbeit hat man hier schnell ein Profi Modell.

 

Lesen Sie hierzu auch

 

Bilder

Download der Ersatzteilliste (429 kB)

Umbaubericht