ICE 2 von Fleischmann

Da mein alter Märklin ICE 1 optisch mittlerweile eine Katastrophe war, wurde er durch einen neuen ICE abgelöst. Da man einen ICE 2 wegen seiner kürzeren Zuglänge auf einer kleinen Modellbahn vorbildgetreuer nachbilden kann, habe ich mir daher auch keinen neuen ICE 1, sondern einen ICE 2 gekauft. Und da der Fleischmann Zug wirklich sehr gut aussieht habe ich mich auch nicht mehr für Märklin entschieden. Somit nahm der neue ICE 2 am 17.11.2010 seinen Betrieb auf.

Nun bietet Fleischmann natürlich keine Wechselstromversion des ICEs an. Also war eine kleine Umbauaktion angesagt: Schleifer unter den Triebkopf basteln!

Das antriebslose Drehgestell sieht schon mal gar nicht so schlecht aus. Das einzige was ein wenig stört ist ein kleiner Plastikaufsatz mit einem Loch. Wahrscheinlich kann dort optional irgendwas eingesteckt werden. Für mich auf jeden Fall ohne Bedeutung, daher konnte ich das Teil beruhigt abschleifen.

Vorher:

Nachher:

Da ich ja viele Loks zur Verfügung habe, konnte ich also verschiedene Schleifer ausprobieren. Perfekt gepasst hat schließlich ein Piko Schleifer der Diesellok G 1700. Die Piko Nr. lautet 56110. Um den Schleifer zu befestigen bohrt man ein kleines Loch in den Drehgestellboden und schraubt ihn fest.

Der Digitaldecoder ist schließlich ruck zuck eingebaut. Was man vielleicht beachten sollte ist die Fleischmann-typische etwas spezielle Technik. Am Motor befindet sich eine sechspolige Schnittstelle. An den zwei äußeren Pins wird der Motor angeschlossen. Man kann also an den Kontakten zwei Kabel für den Motorausgang anlöten. Die Litzen für die Stromabnahme werden auf einen Kontakt umgelötet bzw. mit einer Drahtbrücke auf der Hauptplatine verbunden und an den einen Decoderpin angeschlossen. Das neu gewonnene Schleiferkabel wird an den anderen Decoderpin angeschlossen.

Nun kann der umgebaute ICE auf Testfahrt gehen. Speziell sollte den Radsätzen Beachtung geschenkt werden, denn bekanntlich unterscheiden sich AC und DC Räder in wenigen Zehntel-Millimetern und können bei Weichen zu Entgleisungen führen. Mann kann den Abstand zwischen den Spurkränzen natürlich mit geeignetem Werkzeug verringern, aber evtl. ist dies ja gar nicht nötig. Und siehe da! Der ICE fährt auf allen K- und C-Gleis Weichen entgleisungsfrei! Es gibt keine Probleme, sowohl bei Schub als auch Zug. Ein Achswechsel ist also nicht nötig. Der Schleifer funktioniert auch tadellos und verursacht weder Kurzschlüsse noch Entgleisungen.

Die nächsten größeren Umbauten betreffen die Beleuchtung. Ich habe mir überlegt in den Steuerwagen zusätzlich einen Funktionsdecoder einzubauen, da ich das Spitzensignal an beiden Zugenden getrennt schalten möchte und mir sonnst die Funktionsausgänge nicht gereicht hätten. Somit habe ich nun im Triebkopf vier Funktionsausgänge (vom Lokdecoder) und im Steuerwagen sechs Funktionsausgänge (vom Funktionsdecoder). Also kann ich nun sogar noch eine ganze Menge mehr an Lichtfunktionen einbauen. Ich habe mir daher folgendes überlegt:
- Lichtwechsel rot/weiß
- Fernscheinwerfer
- Führerstandsbeleuchtung

Die Umbauten zeige ich beispielhaft am Triebkopf, am Steuerwagen geht man bis auf die letztendliche Verkabelung genauso vor.

Der Einbau der Führerstandsbeleuchtung ist natürlich schnell geschehen. Eine 1206er LED wird unters Dach geklebt - fertig...

Etwas aufwendiger ist da schon das Spitzen- und Schlusslicht sowie die Fernscheinwerfer. Der Fleischmann ICE hat übrigens eine weiß/rote Glühlampenbeleuchtung, allerdings ist die mit Masse verbunden und flackert daher sehr stark im Fahrbetrieb. Aber mit LEDs bekommt man sowieso ein intensiveres und punktgenaues Licht.

Um die LED Beleuchtung zu realisieren muss dieser Lichtleiter...

... aufgetrennt werden. Das obere Spitzensignal sowie die beiden unteren Lichter werden abgezwickt und ins Gehäuse eingeklebt.

Weil das obere Spitzensignal von hinten beleuchtet werden soll, ist ein Teil der Führerstandsinneneinrichtung im Weg. Daher wird ein kleines Loch gebohrt, in das die LED eingeklebt werden kann.

Bei der Gelegenheit kann man natürlich noch gleich eine Führerstandsfigur einkleben.

Nun kann der Führerstand eingesetzt werden.

Nun folgen die restlichen vier LEDs. Das rot/weiß wechselnde Spitzensignal sitzt an den äußeren Lichtpunkten, die Fernscheinwerfer an den Inneren. Ich habe für das Spitzensignal Duo LEDs weiß/rot verwendet, für die Fernscheinwerfer weiße 0603er Einzel LEDs.

Für die Verkabelung habe ich am Dach eine Lochrasterplatine mit fünf aufgelöteten Widerständen eingesetzt. Um einen Unterschied zwischen Fernscheinwerfern und normalem Spitzenlicht wahrzunehmen, habe ich für den weiß/roten Lichtwechsel 10 kΩ Widerstände verwendet, für die Fernscheinwerfer 1,5 kΩ. Auf dem Bild sieht man also folgende Widerstände:
- 10 kΩ für unteres weißes Spitzensignal
- 10 kΩ für oberes weißes Spitzensignal
- 10 kΩ für rote Schlusslichter
- 1,5 kΩ für Fernscheinwerfer
- 1,5 kΩ für Führerstandsbeleuchtung
- gemeinsamer Pluspol

So sieht das ganze fertig aus:

Und nun kann die Beleuchtung in Betrieb gehen.

Spitzensignal:

Spitzensignal und Fernscheinwerfer:

rotes Schlusslicht:

Führerstandsbeleuchtung:

Spitzensignal und Führerstandsbeleuchtung:

Sowie das selbe bei Dunkelheit:

Nun steht natürlich ein weiterer großer Umbau an: Der Einbau einer Innenbeleuchtung sowie einer vierpoligen stromführenden Kupplung (Kontakte für Innenbeleuchtung, Steuerwagenlichtwechsel weiß/rot, Pluspol).

Um mir die Sachlage anzusehen wird der Mittelwagen geöffnet.

Fleischmann hat eine wirklich sehr gute Kupplungsmöglichkeit eingerichtet: Man kann den Zug entweder mit der mitgelieferten Kupplungsdeichsel kuppeln (diese wird in den oberen Schacht gesteckt) oder mit einer handelsüblichen Kupplung für NEM Schacht (diese wird in den unteren Schacht gesteckt). Somit kann man also eine stromführende Kupplung ohne weiteres einbauen.

Leider gibt es trotzdem zwei Probleme - ein Größeres und ein Kleineres...

Zuerst das kleinere Problem. Da das Chassis unten gebogen verläuft verringert sich der Ausschwenkbereich der Kupplung. Fleischmann hat aber in der Anleitung dazu hingewiesen, dass ein Teil dieses Chassisbereiches mit dem Cutter entfernt werden kann. Man sieht die Solltrennkante auch schön auf dem Bild.

Das größere Problem ist die Kabelführung. Die Kupplung liegt plan auf dem Inneneinrichtungsboden auf. Außerdem verläuft der Boden bis zum Wagenende und hält so die Kupplungsdeichsel in der Waage. Es bleibt nun also die Frage: Wo lege ich die Kabel entlang? Wahrscheinlich muss man einen Teil dieses Inneneinrichtungsboden entfernen, ich muss nur ermitteln, wie viel entfernt werden darf, so dass die Kupplungsdeichsel weiterhin in Waage gehalten wird.

Aber Probieren geht über Studieren. Ich habe mir ein Paar Roco stromführende Kupplungen (Nr. 40345) bestellt und diese heute in einen Wagen eingebaut.

Zuerst mal das Problem mit der Kabelführung. Der Wagen hat werksseitig am Ende des Gehäuses zwei kleine Löchlein, wo man die Litzen durchführen kann. Um zu verhindern, dass die Litzen beim Zurückschwenken der Kupplung hochgedrückt werden, sollten sie am Lochdurchlass mit etwas Kleber fixiert werden.

Und darüber bin ich sehr erstaunt: Obwohl sich diese beiden Wagen in einem R 360 mm Bogen befinden, besteht noch minimal Luft zwischen Kupplung und Chassis. Das bedeutet, dass ich wahrscheinlich nicht mal was vom Chassis mit dem Cutter entfernen muss.

Dass ich die einzelnen Wagen den ersten Tests zufolge nun wohl ohne großartiges Bebasteln mit den stromführenden Kupplungen ausrüsten kann, macht mich natürlich sehr glücklich.

Da nun der erste Wagen eine stromführende Kupplung besitzt, kann ich mit dem Einbau einer Innenbeleuchtung beginnen. Diesmal habe ich jedoch nicht selber eine Platine gelötet, sondern bin einem Tipp nachgegangen und habe mir bei Ebay eine flexible LED Leiste bestellt. 5 m Platine mit 300 LEDs konnte ich für nur 13 € ersteigern, was natürlich ein unschlagbarer Preis ist und selbst die geringen Selbstbaukosten schlägt.

Es sind immer drei LEDs mit einem 150 Ω Widerstand in Reihe geschaltet, so dass man die Platine alle 48 mm kürzen kann. Allerdings ist die Platine für nur 12 V ausgelegt, ein Digitaldecoder liefert ca. 19 V Gleichspannung. Daher muss man entweder vor die gesamte Platine einen Widerstand schalten (diesen aber ausreichen dimensionieren, mindestens 1 Watt) oder man lötet die SMD Widerstände aus und lötet größere Widerstände ein. Ich habe mich für letzteres entschieden. Ich hatte nur 510 Ω Widerstände in SMD Bauform parat, was an sich schon fast zu groß ist, aber die Leuchtkraft ist immer noch immens. Außerdem verbraucht die Platine nun auch nicht mehr so viel Strom.

Da die Leiterplatte sehr flexibel ist, habe ich sie auf einen Polystyrolstreifen geklebt. Die Leiterplatte selber kann man schlicht und einfach mit Doppelklebeband auf der Inneneinrichtung befestigen.

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Die durchgehenden Kabel für den Bahnstrom habe ich einfach auf der Polystyrolplatte mit zwei Tesa Streifen befestigt.

So sieht das ganze fertig aus:

Da nach einigen Tagen sowohl die restlichen stromführenden Roco Kupplungen als auch der Funktionsdecoder für den Steuerwagen eingetroffen sind, kann ich nun zum Finale übergehen.

Zuerst wird eine Kupplung in den Triebkopf eingebaut. Eine Litze wird mit Bahnmasse, die andere mit dem Mittelschleifer verbunden. Die anderen beiden Litzen sind für die Innenbeleuchtung, da diese jedoch vom Steuerwagen aus gespeist wird, habe ich die Kabel ins Leere laufen lassen und sie an geeigneter Stelle mit Doppelklebeband befestigt.

Weit mehr Aufwand benötigt da der Steuerwagen. Zuerst wird der Funktionsdecoder im Maschinenraum platziert. Mit zwei Drähten habe ich die vorgerüstete Massestromabnahme hergestellt, denn wenn der Steuerwagen schon Radschleifer für den Masseabgriff zur Verfügung stellt, dann kann man dies auch nutzen.

Bevor ich die Innenbeleuchtung eingebaut habe, musste ich noch eine optische Verbesserung durchführen. Fälschlicherweise wurde an der Stirnseite des Steuerwagens ein Durchgang zwischen Sitzreihen und Maschinenraum erstellt. Beim Vorbild ist dort jedoch eine Wand, so dass man vom Fahrgastraum nicht in den Maschinenraum gelangen kann.

Da die Wand aus Holz ist habe ich diese mit Holzklebefolie dargestellt.

Nun kann natürlich die Innenbeleuchtung eingebaut werden. Während am anderen Ende die Anschlusslitzen zur stromführenden Kupplung führen, führen hier die Litzen zum Funktionsdecoder. Im Einzelnen ist das die Bahnmasse, der Mittelschleifer, Aux 4 für den Minuspol der Innenbeleuchtung sowie der Pluspol der Innenbeleuchtung.

Die restlichen Litzen des Funktionsdecoders (Licht vorne, Licht hinten hinten, Aux 1 und 2) werden an die Widerstandsplatine für die Frontbeleuchtung angelötet.

Ein erster Funktionstest mit der fertig umgebauten dreiteiligen ICE Einheit kann erfolgen.

Der Steuerwagen besitzt natürlich die selben Lichtfunktionen wie der Triebkopf, nur auf andere Funktionstasten verteilt.

Nun können die restlichen 3 Wagen beleuchtet werden. Bei der Gelegenheit kann man natürlich auch gleich Fahrgäste auf die Stühle kleben.

Eine kleine Änderung habe ich schließlich noch vorgenommen: Mit einem Stück Draht (mit Kunststoffisolierung) habe ich einen Steg in der Mitte des Wagens eingesetzt, so dass die Leiterplatte auch ja nicht durchhängen kann.

Nun komme ich noch zu meinem Vorhaben "Sound". Der ICE war mittlerweile schon einige Monate im Betrieb, doch ich wollte unbedingt einen Soundchip einbauen, der das Türenpiepsen wiedergibt. Lange musste ich nach einer geeigneten Platine suchen, denn entweder sie sind zu groß oder die Soundqualität ist miserabel. Dann bin ich bei ELV Elektronik auf das "Mini-USB-Sound-Modul MSM1" gestoßen. Die Platine passt von den Abmessungen gerade so in den Steuerwagen. Demnach habe ich mir zum Test die 22 Euro teure Platine gekauft und es hat sich gezeigt, dass die Soundqualität 1A ist. Auch ein großer Vorteil: Die Sounds werden über USB mit einem PC Programm auf das Modul gespielt. Es lassen sich bis zu drei .wav Dateien mit einer Gesamtspielzeit von 24 Sekunden laden. Mit den drei Triggereingängen werden die einzelnen Sounds abgespielt. An einen zusätzlichen Ausgang, der zusammen mit den Geräuschen aktiviert werden kann, lässt sich ein Verbraucher anschließen (beispielsweise eine LED), die beim Türschließgeräusch zu blinken anfängt. Also wirklich sehr gut gelöst.

Dazu muss im Steuerwagen aber wieder etwas umgebaut werden. In den Traforaum kommt nun an Stelle des Decoders das Sound Modul auf den Boden. Es wird dort mit Doppelklebeband fixiert.

Das Modul benötigt einen 8 Ohm Lautsprecher, ich habe mich für einen Uhlenbrock entschieden. Prinzipiell meide ich die Produkte dieser Firma, aber bei einem Lautsprecher kann man ja nicht viel falsch machen. Der Lautsprecher kann ins Klo eingebaut werden, dazu muss nur etwas von der Schallkapsel beigeschliffen werden.

Nun sind noch elektrische Komponenten notwendig. Zum einen der 5 V Spannungsregler für das Modul, an den direkt zwei Keramikkondensatoren 0.1 µF angelötet werden. Außerdem ein Brückengleichrichter, denn die Spannungsversorgung nehme ich direkt vom Gleis ab. Ein Elko glättet die Spannung, da sonnst das Modul nicht richtig funktionieren würde. Die ganzen Bauteile habe ich in einem Schaltplan aufgezeichnet.

Da im Maschinenraum nicht genug Platz für die ganzen Bauteile ist, werden sie in den hinteren Türbereich des Steuerwagens verpflanzt.

Nachdem Lautsprecher und Spannungsversorgung am Modul angeschlossen sind muss ich mich mit den Triggereingängen beschäftigen. Mit Aux 3 und 4 sollen die beiden Eingänge kurz gebrückt werden, damit einmal das Türenpiepsen und einmal ein Signalhorn ertönt. Dazu war es aber erstmal erforderlich die Innenbeleuchtung über den Lokdecoder zu versorgen, denn momentan ist sie an Aux 4 des Funktionsdecoder angeschlossen. Ich habe dazu mit einem Mosfet SI9945 den Aux 3 des Lokdecoders verstärkt, so dass dieser als Funktionsausgang genutzt werden kann.

Nun sind Aux 3 und 4 des Funktionsdecoder frei verfügbar. Mit zwei Optokopplern wird der Funktionsausgang vom Soundmodul galvanisch getrennt, so dass die Triggerung ausgelöst werden kann. Ich habe zwei PC817 eingesetzt. An den Eingang muss natürlich ein Vorwiderstand für die integrierte LED angelötet werden.

Sicherlich sieht das ganze etwas unaufgeräumt aus, aber der Platz war in der Tat etwas knapp. Da der Funktionsdecoder nun ins Dach eingeklebt ist, habe ich mit einer Steckverbindung die Anschlussleitungen verbunden.

Der eingebaute Funktionsdecoder mit Doppelklebeband auf der Widerstandsplatine befestigt.

Und schließlich ist der ICE 2 von Fleischmann fertig umgebaut.

Noch ein Hinweis zum Betrieb mit der stromführenden Roco Kupplung: Wenn man wie ich auf eine Vergrößerung des Ausschwenkbereiches der Kupplung verzichten will (Absägen eines kleinen Teils vom Chassis, siehe nachfolgende Bild), so muss man folgendes beachten: Es ist nicht möglich eine 360 mm Radius S-Kurve zu befahren, es muss mindestens eine Zwischengerade eingesetzt werden. R2 S-Kurven werden dagegen problemlos gemeistert (was für Gleiswechsel auch notwendig ist). Auch sollte man aufpassen, dass nach einem R1 Bogen kein Knick im Gleis vorhanden ist, da der Toleranzbereich wirklich sehr gering ist und jeder Millimeter zu viel den Zug zum entgleisen bringen kann. Wenn man dies jedoch beachten, kann man ohne Probleme durch R1 Kurven mit dem ICE fahren. Ansonsten muss man eben ein kleines Endstück vom Chassis entlang der Trennkante entfernen.

Weitere Bilder gibt es selbstverständlich in der Bildergalerie.