Die BR 420 von Märklin - Der S-Bahn Klassiker mit moderner Technik?

 

 

Erster Eindruck

 

Zuerst kam das Modell der BR 420 von Trix in Gleichstromausführung auf den Markt. Ein Jahr später war auch die Wechselstromausführung des ansonsten baugleichen Modells von Märklin erhältlich. Jedoch ist der Zug im Gegensatz zum Trix Modell bereits voll digitalisiert mit einem ESU LokSound mfx und einer Innenbeleuchtung ausgerüstet. Daher ist auch ein Mehrpreis von ca. 100 € erforderlich, der das Wechselstrommodell in Bezug auf die "Extras" aber sogar billiger macht als das Gleichstrommodell.

 

Der Zug kommt in einer kleinen handlichen Packung an. Außen im Märklin typischen hellgrau mit schwarz-weißer Modellabbildung, einem Aufkleber "150 Jahre Märklin" und innen mit einem Styroporeinsatz in dem der Zug mit Folie umwickelt sicher aufbewahrt ist.

 

Zusätzlich gibt es einen Zurüstbeutel mit ein paar Schläuchen, die allerdings nur für Vitrinenbahner oder Großradien-Modellbahner interessant sind. Nicht fehlen tun auch die Zugzielschilder mit allen Zielen der sechs Stuttgarter S-Bahn Linien sowie eine Kupplungshilfe.

 

 

Die Bedruckung ist sehr sauber ausgeführt. Alle Beschriftungen sind vorhanden und korrekt. Die Endwagen sind komplett aus Kunststoff, der Mittelwagen dagegen besitzt ein Metallchassis, welches ihm ein großes Gewicht verleiht.

 

 

Der Mittelwagen (mit dem Antrieb und der kompletten Technik) stellt die umgebaute Version mit nur einem Stromabnehmer dar. Außerdem gibt es ein 1. Klasse Abteil.

 

 

Details

 

Die Griffstangen sind grau lackiert und freistehend. Alle Fensterumrandungen und Details im Türbereich sind vorbildlich und sauber ausgeführt.

 

 

Das Heck des Endwagens, vorbildgerecht der versetzt angeordnete Puffer (beim Mittelwagen auf der anderen Seite).

 

 

Die Front wirkt stimmig, die Lichtleiter sind zierlich ausgeführt und wirken nicht klobig. Die Zugzielanzeige kann mit Zielen von diversen Stuttgarter S-Bahnhöfen beschriftet werden, ich habe mich aber für meine Fantasiebahnhöfe entschieden und deren Namen auf den Zielanzeiger geklebt.

 

 

Auf der Unterseite jedes Endwagens sieht man zwei Masseschleifer und einen Mittelschleifer. Während für den Bahnstrom nur der jeweils vordere Mittelschleifer herangezogen wird, sind alle Masseschleifer verbunden und können das Modell somit ohne Aussetzer über die Gleise befördern.

 

 

Der Dachgarten ist ordentlich ausgeführt.

 

 

 

Der Stromabnehmer ist dagegen nicht vorbildlich. Während das Vorbild einen schwarzen Stromabnehmer trägt und an den Enden des Schleifstückes nur ein einzelner Draht herunterläuft trägt das Modell einen roten Stromabnehmer und an den Enden des Schleifstückes laufen zwei Drähte herunter die nach unten hin gebogen zusammenlaufen.

 

Vorbild:

 

 

Modell:

 

 

Die Drehgestelle wirken optisch ansprechend.

 

 

Die Verbindung zwischen zwei Wagen sitzt perfekt. Die Kupplung rastet gut ein, was ein trennen während der Fahrt unmöglich macht. Zum Kuppeln gibt es eine pfiffige Hilfe seitens Märklins: Ein Kuppelhilfe die man zwischen Gleis und Kupplung schiebt und für eine waagrechte Führung der Kupplung sorgt. So biegt sich die Kupplung nicht nach unten und verkantet sich nicht.

 

 

Auf der Unterseite des Mittelwagens findet man für die Stromabnahme keine Bauelemente, da dies die Endwagen schon grandios übernehmen, jedoch vier angetriebene Achsen mit diagonal versetzt insgesamt vier Haftreifen. Ohne ein Belastungstest gemacht zu haben scheint das Modell aber ohne Probleme auch eine antriebslose Dummy Einheit über einen Berg schieben zu können.

 

 

Technik

 

Um einen Blick auf die Technik zu werfen muss man das Gehäuse abnehmen. Dies ist leichter gesagt als getan. Das Gehäuse sitzt mit einigen Rastnasen bombenfest auf dem Chassis und ist nur mit leichtem Aufhebeln von diesem zu lösen. Da dies unter Umständen Druckstellen auf dem Gehäuse geben kann und man durch zu große Gewalt ausrutschen und Kratzer machen kann bekommt das Modell in diesem Punkt die Note "6". Diese Lösung ist nämlich absolut wartungsunfreundlich.

 

 

Im Endwagen trifft man auf eine zweifarbige Inneneinrichtung mit Plastik Glasscheiben zu Abteiltrennung. In diesem Punkt macht das Modell zu diesem Preis gute Punkte. Über der Inneneinrichtung befindet sich die Leiterplatte mit den weißen LEDs für die Innenraumausleuchtung.

 

 

Da der Führerstand am Gehäuse befestigt ist hat man sogleich auch einen perfekten Blick auf die Leiterplatte für das Spitzensignal und das Schlusslicht. Da in diesem Modell nur LEDs zum Einsatz kommen war die Spannung besonders groß, in welchem Farbton das Spitzensignal leuchtet. Erfreulicherweise leuchtet es wie die Innenbeleuchtung reinweiß mit keinem Blaustich.

 

 

Sowohl Innenbeleuchtung und Lichtwechsel sind bei diesem Modell werksseitig durchaus als perfekt zu bezeichnen. Sowohl Leuchtfarbe als auch Helligkeit stimmen absolut überein, so dass es hier nichts zu meckern gibt.

 

 

 

Die Führerstandsinneneinrichtung ist zwar nur einfarbig, bietet aber durch Vertiefungen und Erhöhungen die Anzeigen und Hebel wunderbar nach. Eine Lokführerfigur fehlt jedoch, weshalb ich gleich eine eingesetzt habe.

 

 

Im Mittelwagen geht es ein wenig abenteuerlicher zu. Hier ist fast die komplette Inneneinrichtung entfernt wurden, um den Motor und die Leiterplatte unterzubringen. Dies ist leider keine sonderlich gute Lösung, da mit der schönen Innenbeleuchtung der Blick auf eine grüne Platte fällt. Wenigstens ist aber ein ordentlicher Motor eingebaut, so dass man es mit diesem Kompromiss verschmerzen kann.

 

 

Ein Blick von außen auf den Motor ist ungehindert möglich.

 

 

Leider hatte ich das Problem, dass etwas mit dem Transistor nicht stimmte, der Aux 3 für die Innenbeleuchtung verstärkte (der ESU Decoder bietet ja Aux 3 und Aux 4 nur unverstärkt an). Die Innenbeleuchtung glimmte nur leicht, daher habe ich diese an Licht vorne/hinten angeschlossen. Nun leuchtet sie in voller Helligkeit.

 

Hier sieht man den ESU LokSound mfx. Dieser ist aber eine etwas andere Version als man auf der ESU Homepage hört. Außerdem sind auch nicht alle Sounds aufgespielt, die es bei ESU zu hören gibt. Es fehlen die Durchsagen "Bitte achten Sie beim Aussteigen auf die Bahnsteighöhe!" und "Einsteigen bitte!"

 

 

Wer die Pins der Kupplung vom 6. Bild durchgezählt hat (es sind 5), wird feststellen, dass hier zunächst etwas nicht stimmt:

1. Bahnstrom, 2. Masse, 3. Rückleiter, 4. Innenbeleuchtung, 5. Licht weiß, 6. Licht rot.

Die Lösung des "Problems": Licht weiß und rot sind antiparallel verschaltet, das heißt Licht weiß und Licht rot wechselt mit der Polarität. Der Rückleiter für das Licht entfällt schon mal, für die Innenbeleuchtung ist der Rückleiter somit die beiden Drähte des Lichtwechsels, jeweils mit 2 Dioden verschaltet, je nachdem welcher Pol gerade + bzw. - führt.

 

Der Lautsprecher befindet sich zwischen Leiterplatte und Chassis und ist dort sicher festgeschraubt. Wenigstens sitzt er im Modell und nicht wie es so oft bei den Hobbymodellen außerhalb des Modells vorbereitet ist.

 

 

Der Rest der 2. Klasse...

 

 

Der Rest der 1. Klasse...

 

 

Fazit

 

Für ca. 280 € bekommt man ein durchweg gelungenes Modell des S-Bahn Kultzuges BR 420. Wenn man die Kosten für ein LokSound von 100 € abzieht, so beträgt der Preis gerade mal 180 €. Für das Geld bietet derzeit kein Großserienhersteller eine S-Bahn an. Auch Rocos BR 420 bzw. BR 423 kostet selbst analog mehr. Für Vitrinenbahner, die ihre Modelle gerne mal aus der Nähe betrachten wird dieses Modell allerdings kein guter Kauf sein, wenn der Blick auf einen Motor im Mittelwagen fällt.

 

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Bilder