Die G 1000 BB von ESU - Eine kleine Lok voller Technik

Ich möchte euch die Top Neuheiten von ESU aus dem Jahr 2021 vorstellen: Die Vossloh G 1000 BB. Das Modell wurde als Jahresneuheit im Februar vorgestellt, es ist eine komplette Neukonstruktion, und ist direkt lieferbar. Das ist wie ich finde eine großartige Leistung, denn mittlerweile muss man doch davon ausgehen dass man Neuheiten von Fahrzeugmodellen, v.a. die ganz großen Neuheiten, frühestens ein Jahr später bekommt. Ich habe mir die Version des Eisenbahnverkehrsunternehmens "Northrail" bestellt. Northrail mit Sitz in Hamburg ist ein Leasing-Anbieter für Lokomotiven und ist deutschlandweit und auch im benachbarten Ausland bei diversen Eisenbahnverkehrsunternehmen, Industrie- und Hafenbahnen im Einsatz. Die G 1000 BB ist eine leistungsstärkere Version der vom Maschinenbau Kiel (MaK) entwickelten G 800. Sie hat eine Leistung von 1100 kW und erreicht 100 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Die Lokomotive wird in eine Kartonverpackung geliefert, die von einer Klarsicht Kunststoffummantelung geschützt ist.

Der seitliche Aufkleber weißt auf die Universal-Elektronik hin. Das Modell ist sowohl für AC als auch DC Betrieb nutzbar.

Im Inneren befindet sich eine Schaumstoffeinlage. Die Lok selber ist in einer Klarsicht Kunststoffverpackung gelagert. Hier ist ESU umgeschwenkt, denn sonst waren die Loks immer mit Schrauben auf einem Sockel befestigt. Ich finde diese Art der Verpackung wie sie bei der G 1000 BB verwendet worden ist aber nutzerfreundlicher.

Unter der Schaumstoffeinlage befindet sich die Anleitung der Lok, die alle allgemeinen und technischen Informationen zum Modell wiedergibt. Bilder zur Veranschaulichung sind scharf und gut auflösend abgedruckt. Es sind reale Fotos und keine schematischen Abbildungen, die man sich selber zusammen reimen muss.

Zwei Tütchen gehören zum Lieferumfang. Zwei ESU Universalkupplungen, zwei Imitationen von Automatik-Rangierkupplungen, Bremsschläuche sowie der Abzieheinrichtung für den Mittelschleifer.

Die Lok macht einen wunderbaren Eindruck. Der Aufbau und Rahmen sind Metall.

Sauber bedruckt, filigrane Details wie durchbrochene Lüftergitter in den Vorbauten, ein detaillierter Führerstand mit Lokführerfigur, mehrteilige Drehgestell-Blenden, separat angesetzte Griffstangen und durchbrochene Trittstufen.

Auch in Bezug auf den Auspuff und die Anordnung der Fahrpulte hat ESU geachtet und länderspezifische Abweichungen beachtet. Bei den Lokomotiven die überwiegend im Linksverkehr im Einsatz sind befindet sich das Abgasrohr auf der rechten Seite vom Lokführer aus gesehen.

Die Drehgestelle schauen auch von der Unterseite fantastisch aus. Sehr filigran und detailliert dargestellt sind die Antriebsstränge an den Achsen. Der Mittelschleifer ist ab Werk eingesteckt und kann mit den Abziehwerkzeug entfernt werden.

Über den blauen Schalter wird zwischen Wechselstrom- und Gleichstrombetrieb umgeschaltet.

Typisch für ESU Lokomotiven sind die umfangreichen Funktionen im Digitalbetrieb. Werfen wir zunächst einen Blick auf die verwendeten Funktionsausgänge. Auf jeder Lokseite ist jede einzelne weiße Lampe einzeln schaltbar. Damit sind alle Lichtzeichen darstellbar (Rangierlicht Fz1, Schweizer Zugschlusssignal, etc.). Die beiden unteren weißen Lampen können auch Blinken (Notsignal). Die roten Schlusslichter können entweder oben oder unten leuchten. Das Modell der Bahngesellschaft ECR kann auch das Fernlicht schalten. Das können zwar alle Loks, weil die Leiterplatten identisch sind, aber es leuchtet dann rot, weil die zugehörigen Lampengläser rot eingefärbt sind. Daher empfiehlt es sich bei allen anderen Versionen außer der ECR diese Funktion einfach zu deaktiveren.

Ab Werk ist die umfangreiche Funktionspalette wie folgt belegt:

Und ja, man kommt an die Grenzen des Decoders und der Zentrale, denn bei F 31 ist Schluss und die G 1000 BB hätte noch mehr Sounds im Angebot.

Da wie gesagt jede weiße Lampe einzeln steuerbar ist, lassen sich alle erdenklichen Konfigurationen schalten. Standard natürlich das 3-Punkt-Spitzensignal in Form eines "A"...

... und ein rotes Zweilicht-Schlusssignal.

Man kann per Funktionstaste auf das untere rote Schlusslicht umstellen. Mir ist nicht bekannt ob das beim Vorbild auch so ist und warum. Schreibt mir gerne euer Fachwissen, denn mir erschließt sich der Sinn der Funktion erstmal nicht.

Dann lässt sich für den Rangierbetrieb auch ein Fz 1 darstellen, ein weißes Licht auf höhe der Puffer. Dabei ist nicht vorgeschrieben ob links oder rechts, ich habe mich für links entschieden. Ja, diese Funktion ist ab Werk nicht programmiert aber lässt sich ja über den LokProgrammer einfach implementieren.

Für den Verkehr in der Schweiz lässt sich vom roten Schlusslicht auf ein einzelnes weißes Schlusslicht rechts unten umschalten.

Der Führerstand ist sehr detailliert und darf gerne auch im Stand beleuchtet werden.

Die Instrumentenbeleuchtung ist sicherlich ein Highlight, obwohl es doch eine Funktion ist die bestimmt nur auffällt wenn man es weiß.

Die Trittstufen sind durchbrochen und können...

... beleuchtet werden, damit der Lokführer auch bei Dunkelheit sicher den Weg auf seine Lok findet.

Wie es sich für eine Rangierlok gehört hat ESU ab Werk auf jeder Seite eine Digitalkupplung in den NEM Schacht verbaut.

Leider hat sich bei meinem Test mit der Roco Universalkupplung ein nicht ganz schönes Ergebnis ergeben. Der Kupplungsbögel der Roco Universalkupplung fällt unter den Metallbügel der ESU Digitalkupplung. Das ist falsch, denn er müsste oben drüber gleiten.

Abhilfe schafft nur, in dem man den Metallbügel etwas weiter nach unten biegt.

Dann klappt es auch mit der Roco Universalkupplung. Leider empfinde ich das für eine Lok in der Preisklasse nicht akzeptabel, dass man an der filigranen Kupplung selber biegen muss um eine Kompatibilität zu anderen Kupplungen herstellen zu können. Sicherlich hat nicht jeder ESU Kupplungen verbaut. Der Vollständigkeit halber sei natürlich erwähnt dass Kupplungen mit Metallbügel an der Kupplung haften bleiben und sich außer bei großen Zuggewicht nicht automatisch entkuppeln. Durch den eingestellten "Kupplungswalzer" drückt die Lok per Funktionstaste selbstständig an, aktiviert die Kupplung zeitgesteuert und drückt selbstständig vom Zug ab.

Aus Mangels eines Rollenprüfstands kann ich nicht so einfach die letzte Funktion des Modells, das Bremslichtflackern, zeigen. Bei Fahrt die Lok scharf zu fotografieren ist einfach nicht möglich. Die Funktion ist zwar eine nette Spielerei, jedoch muss ich sagen dass ich sie etwas übertrieben finde, wenn bei jeder Bremsung an den Rädern Funken sprühen. Man kann zwar den kompletten Bremssound deaktivieren, dann ist auch das Flackern aus, ich habe mich aber dazu entschieden den Soundslot zu bearbeiten und das Flackern per Funktionstaste einzuschalten wenn ich es möchte. Im Übrigen ist mir gar nicht bekannt, ob an einer Lok mit Scheibenbremsen ein Funkenflug entstehen kann. Schreibt dazu gerne euer Fachwissen.

Werfen wir noch einen Blick unter die Haube. Das Modell wird von vier Schrauben zusammen gehalten. Diese befinden sich an den beiden Stirnseiten. Jeweils zwei Stück sind dort zu lösen, dann kann das Gehäuse nach oben abgezogen werden. Man sieht links die Lautsprecher, dann den Decoder mit MTC Schnittstelle und rechts das Powerpack (die maximale Pufferzeit ist ab Werk auf 2 Sekunden eingestellt). Verbaut ist nach heutigem ESU Standard ein LokSound 5 Decoder für DCC-, Motorola-, M4- und Selectrix-Betrieb. Auf der Platine sind natürlich auch alle LEDs untergebracht. Für das Spitzen- und Schlusssignal sind Duo LEDs verbaut. Gummiabdichtungen sorgen dafür dass das Licht nicht streut.

Was gibt es noch zur Lok zu sagen, was aus den Bilden nicht hervorgeht? Verbaut ist ein fünfpoliger Motor mit zwei Schwungmassen. Angetrieben werden alle Achsen, wobei zwei Räder mit Haftreifen ausgestattet sind. Die Lok hat ein ausgezeichnetes Fahrverhalten. Mit etwa 120 km/h Maximalgeschwindigkeit ist die Höchstgeschwindigkeit um 20 km/h zu hoch eingestellt, was man natürlich einfach nach unten korrigieren kann. Über einen eingebauten Sensor werden bei langsamer Kurvenfahrt Kurvenquietschgeräusche abgespielt was ich an sehr nettes Gimmick fnde.

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