Mobile Control II von ESU - das etwas andere Smartphone

Bereits seit ein paar Jahren tummeln sich Apps zum Modellbahn fahren via Smartphone im Internet und können auf Handys installiert werden um dann über einen WLAN Hotspot auf die Zentrale zuzugreifen. ESU hat sich diesen neuen Trend zu Nutze gemacht und ein Produkt auf die Beine gestellt, dass es möglich macht die Fahrzeuge komfortabler zu steuern: Ein Handy mit Drehregler ist Anfang November 2015 auf den Markt gekommen. "Mobile Control II" heißt das auf dem Betriebssystem Android basierende Smartphone. Was das knapp 300 Euro teure "Spezialsmartphone" alles so kann und ob sich der Kauf lohnt - das wollte ich herausfinden.

Erster Eindruck

Zum Lieferumfang gehören das Smartphone, ein kleiner WLAN Router mit Netzteil, ein Trageriemen, ein LAN und USB Kabel. Außerdem eine Anleitung.

Das Sartphone macht einen ganz soliden Eindruck, auch wenn die aktuellen "richtigen" Mobiltelefone einen etwas wertigeren und edleren Eindruck machen. Das Touchdisplay misst etwa 69 x 42 mm (3,2 Zoll) und ist somit deutlich kleiner als Displays von anderen Smartphones. Dies macht sich später sofort bemerkbar, wenn das Passwort für den Router eingegeben werden muss. Seitlich finden sich je 2 Drucktasten oberhalb des Displays befindet sich der Drehregler, der in etwa die Größe der ECoS Regler aufweist (Durchmesser 57 mm). Durch den motorischen Drehregler liegt der Schwerpunkt in der oberen Gerätehälfte und das Gewicht bei stolzen 220 g.

Das Gerät liegt soweit ganz gut in der Hand. Durch den großen Drehregler lassen sich die Fahrzeuge sehr feinfühlig regeln. Allerdings kann man sich über die Größe streiten. Mir persönlich ist der Regler zu groß. Ich finde die Größe wie sie z.B. bei den Freds vom Fremo verwendet wird ideal. Das "Rad" ist besser im Griff. Ein Rechtshänder hat die zwei linken Funktionstasten mit Mittel- und Ringfinger optimal im Griff, während die beiden rechten Funktionstasten durch den Handballen zunächst nicht zu gebrauchen sind und sich nur durch Umgreifen bedienen lassen. Allerdings dürfte es sich für einen Linkshänder genau andersrum verhalten, weshalb diese Anordnung dann durchaus korrekt und praktikabel ist.

Details

Durch Drücken der Taste rechts oben am Gerät wird das Betriebssystem eingeschaltet. Die Taste muss länger gedrückt werden als bei üblichen Smartphones, bis das Gerät startet.

Auf dem Startbildschirm ist die ECoS App (eine Entwicklung von ESU) sowie die Einstellungen direkt verknüpft.

Zunächst muss in den Einstellungen das WLAN eingeschaltet werden.

Danach wird der Router aufgerufen und das Passowrt eingegeben. Durch das kleine Display sind die Tastenfelder dementsprechend auch sehr klein und es ist durchaus mühsam und fehlerbehaftet hierüber Eingaben zu tätigen.

Wenn man im Menü alle Apps aufruft, sieht man, was bereits installiert ist. Unter anderem auch Google Chrome oder eine Mailapp. Denn es handelt sich ja hierbei um ein Android Smartphone, das auch die selben Funktionalitäten besitzt, wie ein herkömmliches Smartphone auch. Lediglich Telefonieren dürfte ohne Lautsprecher und Mikro schwierig werden.

Wird die App aufgerufen muss nur noch die Zentrale ausgewählt werden und das Spiel kann beginnen. Hierbei sei natürlich erwähnt, dass das Mobile Control II nur in Verbindung mit der ECoS funktioniert. Eine andere Zentrale wird (derzeit) nicht unterstützt.

Im Fahrbildschirm findet sich unten ein Tacho der die aktuelle Geschwindigkeit anzeigt. Darüber das Loksymbol und die Fahrtrichtungsanzeige. Als nächstes sind in der Mitte des Displays die Funktionen der Lok angezeigt. Darüber findet sich ein Schnellwahlmenü. Dort werden die letzten aufgerufenen Loks angezeigt und können somit schnell auf den Regler gezogen werden. Neue Loks fügt man mit dem "+" Symbol hinzu, Loks aus der Leiste löscht man mit dem "-" Symbol (die Loks werden nur aus der Leiste gelöscht, nicht aus der Lokliste). Das Loksymbol wird aus der ECoS geladen.

Die Loks werden alphabetisch sortiert. Eine abweichende Sortierungsmöglichkeit habe ich bisher noch nicht gefunden.

Sehr praktisch ist auch die Suchfunktion nach Adressen. Auch hier macht das kleine Display doch minimale Probleme, wie ein Größenvergleich mit meinem Finger zeigt.

Im Menü können verschiedene Punkte ausgewählt werden wie "Fahren" (Fahrbildschirm), "Schalten" (Weichen & Signale), Programmierung und Einstellungen.

Ein Blick in die Einstellungen: Wichtig ist der Punkt "Hauptsteuerung". Bei einem Verbindungsabbruch (z.B. schlechter WLAN Empfgang) schaltet die ECoS auf Stop. Daher sollte auf Treffen diese Funktion ausgeschaltet werden. Bei einer Heimanlage kann diese Funktion u.U. gewünscht sein. Wichtig: Beim Schließen der App bleibt die Gleisspannung an der ECoS grundsätzlich an.

Mit "Geschwindigkeit folgen" kann das motorische Geschwindigkeitsfolgen bei einem Lokwechsel unterdrückt werden, um die Akkulaufzeit zu verlängern.

Interessant ist noch die Tastenbelegung.

Mit dieser Option kann man den vier seitlichen Tasten Funktionen zuweisen.

Das sind entweder Lokfunktionen...

... Fahrstufenveränderungen...

... Nothalt, Lok anhalten, Fahrtrichtungswechsel oder Stop an der Zentrale (u.a.). Diese Funktionen sind sehr praktisch. Gerade die Option "Lok anhalten" oder "Nothalt".

Mit der Programmierfunktion kann drahtlos auf das Programmiergleis (nicht Hauptgleisprogrammierung) der ECoS zugegriffen werden.

Natürlich kann man mit dem Mobile Control II auch Weichen schalten. Die Weichen werden, anders als in den bereits erhältlich Apps, nicht direkt auf das Gerät geladen und können nicht sofort geschaltet werden. Dazu muss man Stellwerke einrichten in denen die Schaltartikel verknüpft werden.

Man legt also zunächst ein neues Stellwerk an.

Entweder wählt man nun einzeln die Schaltartikel (die aus der ECoS geladen werden)...

... oder die schnellere Variante: Man kann die Stellpanels direkt runterladen. Dann werden sie im Handregler genauso angezeigt, wie sie in der ECoS angelegt wurden.

Dann muss man dem Stellwerk nur noch einen Namen geben.

Abschließend auf "Fertig" drücken.

Und schon ist ein Stellwerkspanel eingerichtet.

Man kann aber auch neue Schaltartikel erstellen.

Und wie auch an der ECoS alle Daten eingeben.

Dies wären soweit alle wichtigen Funktionen des neuen WLAN Handreglers. Und weil es sich beim Mobile Control II prinzipiell um ein herkömmliches Smartphone handelt, kann man damit natürlich auch ins Internet gehen :-) Das setzt allerdings voraus, dass das Heim WLAN nicht nur mit der ECoS, sondern auch mit dem Internet verbunden ist. Mobiles Internet ist wegen der fehlenden SIM Karte natürlich nicht möglich.

Technik

Das Mobile Control II kann mit drei Schrauben an der Rückseite geöffnet werden.

Dort verbirgt sich u.a. der Lithium-Polymer-Akku, der im Schadensfall ausgetauscht werden kann. Allerdings versteckt sich der Stecker des Akkus in eine Niesche auf der Platine, die nicht optimal zugänglich ist. Daher (und auch wegen der Verschraubung des Gehäuses) ist es somit nicht möglich "mal schnell" den Akku zu tauschen. Das ist sehr schade, da ich mir gerade bei den Fahrtreffen angewöhnt habe mit einem Zweitakku zu fahren. Somit kann in das Smartphone bei leerem Akku sofort der voll geladene Zweitakku eingesetzt werden. Optional bleibt dann natürlich die Möglichkeit den Regler über USB zu laden. Dann kann er allerdings nur "drahtgebunden" eingesetzt werden.

Noch ein Blick auf den motorischen Drehregler, der sich auch hinter der Abdeckung verbirgt.

Zum Smartphone an sich gibt es folgende technischen Daten: Wie bereits erwähnt basiert das Gerät auf Android. Das System ist offen, es dürfte also in nächster Zeit möglich sein, für den ESU Regler eigene Apps zu entwickeln. Eingebaut ist ein mit 1,3 GHz getaktete ARM Cortex A8 Mikroprozessor und 1 GB RAM. Das TFT-Farbdisplay hat eine Größe von 3,2 Zoll mit 480 x 800 Pixel, 280 dpi. Ein Speicher steht mit 4 GB Größe zur Verfügung.

Fazit

Das Mobile Control II wurde zunächst auf einer Ausstellung bei der Forumbahn in einer WLAN Umgebung mit einer Fritz Box getestet. Gleich zu Beginn gab es oft Probleme mit dem WLAN Signal, so dass das Gerät keine ECoS gefunden hat und dese regelmäßig neu ausgewählt werden musste, als wieder ein WLAN Signal erkannt wurde. Dies lag aber nachweislich nicht am WLAN Signal des Routers, da die Smartphones keine Probleme hatten. Später wurde dieses Problem aber weniger. An meiner Heimanlage gab es keine Probleme. Es könnte also (unbestätigt) möglich sein, dass das Gerät Probleme mit vielen unterschiedlichen WLAN Netzen hat.

Die Bedienung ist sonst sehr intuitiv und simpel. Es fällt jedoch auf, dass der zuvor als Vorteil vermutete große Drehregler auch zum Nachteil werden kann. Es kann sehr leicht passieren, dass der durch die Größe und über die Seiten des Geräts hinaus ragende Drehregler bewegt wird, wenn das Mobile Control II am Trageriemen am eigenen Körper hängt. Durch die Größe des Reglers, sind teilweise auch viele "Kurbelbewegungen" möglich, um größere Fahrstufenunterschiede zu bewirken. Eigentlich ist eine Reglergröße wie z.B. beim Fred von Fremo ideal. Mir persönlich ist der ESU Regler zu groß.

Im Gegensatz dazu ist mir aber das Display etwas zu klein. Gerade bei Eingaben über die Tastatur fällt dies deutlich auf und man vertippt sich eigentlich ständig. Es ist wirklich nur als "Noteingabe" zu nutzen.

Sehr gut finde ich im Vergleich zu den Apps die vier zusätzlichen Funktionstasten, mit denen man programmierbare Zusatzfunktionen auslösen kann. Auch die Suchfunktion nach einer Lok ist sehr gut. Dies ist gerade bei großen Treffen ein Problem, wenn man aus hunderten Loks die richtige Auswählen muss.

Abschließend muss ich sagen, dass der Regler eine wirklich gute Innovation ist, aber mich noch nicht überzeugt hat. Ich denke, hier könnte man noch etwas Entwicklung (auch Hardwareseitig) hineinstecken. Es zeigt aber, das WLAN in der Modellbahnwelt eine Zukunft ist. Gerade für große Modultreffen bietet sich so eine Umgebung an und die Forumbahn zeigt ja überzeugend, das eine WLAN Steuerung auch bei vielen Teilnehmern eine absolut zweckmäßige und komfortable Steuerung ist. ESU bietet nun auch dem "Bildschirm-Gegner" einen Drehregler, mit dem man völlig blind seine Fahrzeuge steuern kann. Ein weiterer guter Schritt in Richtung Modellbahnsteuerung per WLAN.

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